Alireza Varzandeh | Bewegter Stillstand

Text: Stephanie Hentschel

 

Wie durch einen Spiegel hält uns der in Köln lebende Künstler Alireza Varzandeh

das alltägliche Leben, gesellschaftliche Strukturen und Gewohnheiten vor Augen.

Von ausgelassenen Strandszenen über städtische Bauarbeiter, Passanten und Radfahrer im Stadtverkehr, Spaziergänger im Park, sowohl bei Regen als auch Sonnenschein, bis hin zu farbenprächtigen Blumenstillleben - kein Sujet scheint

für den 1963 in Persien geborenen Künstler bildunwürdig oder kompositorisch uninteressant zu sein.

 

Alireza Varzandeh zieht, wie durch einen Zoom, ausgewählte Szenen des zeitgemäß pulsierenden und rasanten Lebens ganz nah heran und bringt sie für kurze Zeit zum Stillstand. Durch die weitreichende Farbpalette, die gezielt gesetzten Schattierungen, Reflektionen und Lichtakzente, wird der Betrachter spontan und unvermittelt direkt

ins Bildgeschehen und in den Bann der Werke hineingezogen.

Wie bei Scharfstellung des Objektivs einer Fotokamera werden die Bildmotive zunächst abstrakt auf der Leinwand skizziert, dann detailgenau in ÷l aufgebracht,

um anschließend erneut in eine abstrahierte, objektivere Ansicht vermalt zu werden. Schon während dieses Arbeitsprozesses scheint der Künstler selbst die einzelnen Schritte zu durchlaufen, welche auch der Betrachter erfährt, wenn er vor dem vollendeten Werk steht [...]

 

Die Nähe, die der Künstler zwischen Betrachter und Kunstwerk entstehen lässt,

wird jedoch wieder durch den räumlichen Abstand unterbrochen, den der Betrachter zum Bild gewinnen muss, um überhaupt dem Bildmotiv folgen zu können.

Es ergibt sich also ein ständiger Wechsel zwischen Nähe und Distanz, Bewegung

und Stillstand, sowohl im Hinblick auf die Gestaltungsmittel, die Alireza Varzandeh

in seiner Malerei nutzt, als auch in Bezug auf die inhaltliche Aussage. Und in jeder Hinsicht scheint der Betrachter als essentieller Teilnehmer vorgesehen zu sein, wodurch er aus der Rolle des allein passiven Beobachters heraustritt.