Künstler        Rainer Kaiser          Werke             Ausstellungen          CV            Text

Wenn man in das Reich der Kunst, das Reich der unbegrenzten Möglichkeiten eintritt, wird man nach kürzerer oder längerer Zeit mit der Sinnfrage konfrontiert. Macht meine Kunst Sinn, kann ich zu ihr stehen und hat sie eine Bedeutung für andere. Auch der allgemeine Kunstdiskurs stellt immer wieder die Kunst in Frage. In den 1970er Jahren wurde die Kunst der Werbung gleichgestellt. Bilder galten als eine Form der visuellen Kommunikation, welche interessengesteuerte Nachrichten vermittelte. Die Aufgabe des Kunsthistorikers bestand darin, die angewandten Mittel und die dahinter stehenden Interessen bewusst zu machen. 


Rainer Kaiser gehört zu den innovativen Künstlern, die vergessene Techniken wieder entdecken. Insbesondere auf dem Gebiet der Graphik hat er auf höchst innovative Weise kaum bekannte Verfahren zu neuem Leben erweckt und weiter entwickelt. Er kombiniert  Cyanotypie mit Fototechnik, experimentiert auf dem Gebiet der Intagliotypie oder forscht nach neuen Strukturen, die sich zum Beispiel durch die Reaktion von Acrylfarbe und Tusche mit Wachs ergeben.  Rainer Kaiser kombiniert

die Malerei und Radierung . Auf Papier mit Motiven in Ölkreide wird ein zweites Blatt gelegt, das durch das Tränken in Wachs eine transluzente Transparenz gewinnt. In diese empfindliche zweite Haut des Bildes werden - vergleichbar zu einer Kaltnadelradierung - Motive eingeritzt und in die Gravur Pigmente eingerieben. Die nur flüchtig angelegten Chiffren, die haptisch zu ertasten sind, bilden fragmentarische Formen, welche durch die Schichtung und das sanfte Leuchten der Wachschicht eine geheimnisvolle Poesie entfalten. 

Kaiser beschreibt den Reiz seiner Arbeiten, als „die ganz besondere Bildwirkung die entsteht durch die Möglichkeiten lineare Strukturen mit malerischen Flächen zu verbinden.“

- Rainer Kaiser ist Dozent an der an der freien Kunstakademie Augsburg und am Lehrstuhl Pädagogik in Augsburg und u.a. Preisträger der Stadt Senden und Gersthofen -

Die Bildelemente wirken auf den ersten Blick abstrakt, aber auf den zweiten Blick erkennt man gegenständliche Formen, die sich wiederholen und sich vereinfacht in zwei Gruppen aufteilen lassen: Abstrahierte Köpfe und menschliche Gestalt und auf der anderen Seite Gefäße und Behälter, die eine schützende Hülle bilden.  „Verborgenes Interieur“ und einige Bildtitel wie „Schutzräume“ oder „Hülle“ sind dafür beispielhaft. Das Thema „Interieur“ wird überlagert und ergänzt von Arbeiten zu Sinneswahrnehmungen. Der Begriff Wahrnehmung verweist nicht nur auf die menschlichen Sinne, sondern assoziiert auf einer zweiten Ebene  „Sinn“ und „Sinnlichkeit“ und streift damit ein Kernthema der bildenden Künste. 

Nicht nur die Motive, sondern auch die angewandte Schichttechnik interpretiert das Thema „Wahrnehmen“ gleichnishaft. Auf der äußeren Folie, dem Wachspapier, prägen sich die Tageserlebnisse und Eindrücke ein, um dann als Schatten auf den tiefer liegenden Ebenen einen Nachhall auszulösen. 

 

Auszug des Textes "Offene Räume" von C. Burchard